Schlaf und Erektion: Morgenerektion, Testosteron und Schlafapnoe
Die verwendeten Studien und Quellen findest du am Ende. Nicht ärztlich geprüft. Redaktionelle Grundsätze
In letzter Zeit seltener eine Morgenlatte. Ständig müde. Schlaf hängt eng mit der Erektion und den männlichen Hormonen zusammen. Hier liest du, was im Körper passiert, während du schläfst, und was sich ändert, wenn du zu wenig schläfst.

Im Schlaf haben Männer etwa 3- bis 5-mal pro Nacht eine Erektion. In einer Studie, die den Schlaf eine Woche lang auf unter 5 Stunden begrenzte, sank das Testosteron um 10 bis 15 %. In einer britischen Studie mit rund 156.000 Männern bekamen Männer, die tagsüber oft müde waren, etwa doppelt so häufig die Diagnose Erektionsstörung. Eine gemeinsame Stellungnahme zweier schlafmedizinischer Fachgesellschaften empfiehlt Erwachsenen 7 Stunden oder mehr Schlaf.
Inhalt
Warum gibt es Morgenerektionen?
Im Schlaf wechselt der Körper etwa alle 90 bis 120 Minuten zwischen REM-Schlaf (leichterer Schlaf, in dem die meisten Träume stattfinden) und Non-REM-Schlaf. Im REM-Schlaf sind die Nerven, die an der Erektion beteiligt sind, aktiver, und es kommt ohne sexuellen Reiz zu Erektionen, 3- bis 5-mal pro Nacht und jeweils etwa 10 bis 30 Minuten lang.
Wachst du während einer REM-Phase auf, wachst du mit einer Erektion auf: Das ist die Morgenlatte. Hast du morgens noch Erektionen, es klappt aber beim Sex nicht, können Nervosität oder andere psychische Faktoren mitspielen. Bleiben die Morgenerektionen seit Wochen aus und hast du auch sonst Probleme mit der Erektion, ist das ein Grund, zum Arzt zu gehen.
Schlaf und Testosteron
- Ergebnis
- Nach einer Woche mit unter 5 Stunden Schlaf lag das Testosteron tagsüber um 10 bis 15 % niedriger
- Einschränkung
- Sehr wenige Teilnehmer und nur eine Woche. Ob mehr Schlaf das Testosteron erhöht, wurde nicht untersucht
Testosteron (männliches Hormon) spielt bei Lust, Erektion und Muskelmasse eine Rolle. Ein großer Teil wird im Schlaf ausgeschüttet, deshalb wirkt sich kurzer Schlaf vermutlich darauf aus.
Forschung zu Schlaf und Erektionsstörungen
Eine britische Studie, die rund 156.000 Männer mehr als 11 Jahre lang begleitete, fand: Männer, die tagsüber oft müde waren, bekamen etwa 2,05-mal so häufig die Diagnose Erektionsstörung, Männer, denen das Aufstehen morgens sehr schwerfiel, etwa 1,85-mal so häufig.
Auch eine türkische Übersicht über 42 Studien fand, dass schlechte Schlafqualität mit mehr Erektionsstörungen und mehr vorzeitigem Samenerguss einherging.
Beides sind allerdings Beobachtungsstudien. Ob schlechter Schlaf Erektionsstörungen verursacht oder ob Erkrankungen und Stress dahinter auch den Schlaf stören, ist noch unklar.
Schnarchen und Schlafapnoe
Lautes Schnarchen oder Atemaussetzer im Schlaf können auf eine obstruktive Schlafapnoe hindeuten. Eine Metaanalyse von 28 Studien zu Schlafapnoe und Erektionsstörungen (Kellesarian et al., 2018) kam zu dem Schluss, dass Erektionsstörungen bei Männern mit Schlafapnoe häufiger sind.
Schlafapnoe hängt auch mit Bluthochdruck und Herzerkrankungen zusammen. Wenn deine Partnerin oder dein Partner Schnarchen oder Atemaussetzer bemerkt oder du tagsüber sehr müde bist, frag deinen Hausarzt nach einer Untersuchung im Schlaflabor. Wird eine Schlafapnoe festgestellt, gibt es Behandlungen.
Was du für besseren Schlaf prüfen kannst
Eine gemeinsame Stellungnahme der American Academy of Sleep Medicine und der Sleep Research Society (2015) empfiehlt Erwachsenen, regelmäßig 7 Stunden oder mehr pro Nacht zu schlafen. Diese Gewohnheiten werden häufig empfohlen:
- Zur gleichen Zeit aufstehen: auch am Wochenende ohne große Verschiebung.
- Weniger Alkohol vor dem Schlafen: Er hilft vielleicht beim Einschlafen, aber du wachst nachts eher auf.
- Weniger Handy vor dem Schlafen: Helle Bildschirme vertreiben die Müdigkeit.
- Tagsüber bewegen: Ausdauersport hängt mit dem Schlaf und mit den Gefäßen zusammen, die an der Erektion beteiligt sind.
Wann du zum Arzt solltest
Bleiben die Morgenerektionen seit Wochen aus und hast du auch sonst Erektionsprobleme, geh zum Urologen oder in eine andrologische Sprechstunde. Bei lautem Schnarchen oder starker Tagesmüdigkeit frag deinen Hausarzt nach einer Überweisung ins Schlaflabor. Wenn du dauerhaft schlecht schläfst, kann dir dein Hausarzt auch dabei helfen.
Häufige Fragen
Hängt Schlafmangel mit Erektionsstörungen zusammen?
Ein Zusammenhang wurde berichtet. In einer britischen Studie, die rund 156.000 Männer begleitete, bekamen Männer, die tagsüber oft müde waren, etwa doppelt so häufig die Diagnose ED. Es war eine Beobachtungsstudie, sie kann also nicht zeigen, dass schlechter Schlaf die ED verursacht.
Senkt wenig Schlaf das Testosteron?
In einer Studie, in der 10 junge, gesunde Männer eine Woche lang weniger als 5 Stunden schliefen (Leproult und Van Cauter, 2011), sank das Testosteron tagsüber um 10 bis 15 %. Die Studie war sehr klein und kurz, ist aber eines der Ergebnisse, die Schlaf und männliche Hormone verbinden.
Wie viele Stunden Schlaf brauche ich?
Eine gemeinsame Stellungnahme der American Academy of Sleep Medicine und der Sleep Research Society (2015) empfiehlt Erwachsenen, regelmäßig 7 Stunden oder mehr pro Nacht zu schlafen. Wie viel du brauchst, ist individuell verschieden. Ob du morgens erholt aufwachst, ist ebenfalls ein guter Anhaltspunkt.
Ich schnarche laut. Kann das mit Erektionsstörungen zusammenhängen?
Lautes Schnarchen und Atemaussetzer im Schlaf können Zeichen einer Schlafapnoe sein. Viele Studien haben Schlafapnoe und ED untersucht, und die meisten berichten einen Zusammenhang. Schlafapnoe hängt auch mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen. Wenn deine Partnerin oder dein Partner es bemerkt, frag deinen Hausarzt nach einer Untersuchung im Schlaflabor.
Quellen
- Ubie Doctor's Note. Morning wood: what your erections say about your health. ubiehealth.com/doctors-note/morning-wood-health-indicators-e
- Leproult R, Van Cauter E. Effect of 1 week of sleep restriction on testosterone levels in young healthy men. JAMA. 2011;305(21):2173-2174. stacks.cdc.gov/view/cdc/212252
- Kellesarian SV, et al. Association between obstructive sleep apnea and erectile dysfunction: a systematic review and meta-analysis. Int J Impot Res. 2018;30(3):129-140. link.springer.com/article/10.1038/s41443-018-0017-7
- Watson NF, et al. Recommended Amount of Sleep for a Healthy Adult: A Joint Consensus Statement of the American Academy of Sleep Medicine and Sleep Research Society. J Clin Sleep Med. 2015;11(6):591-592. doi.org/10.5664/jcsm.4758